Stuttgarter Zeitung (Markus Dippold) | Abschlusskonzert des Internationalen Orgelsommers in der Stiftskirche Stuttgart (August 2015)

"Die Improvisation ist für viele die Königsdisziplin des Orgelspiels, denn diese augenblicksbezogene Kunst verlangt Inspiration, Kreativität, Formbewusstsein und stilistische Flexibilität. Ohne Zweifel gehört der Stuttgarter Stiftkantor zu den Großen auf diesem Gebiet, wie sein Konzert am Freitag zum Abschluss des diesjährigen Orgelsommers in der Stiftskirche bewies. (...) Anfangs zwitschern Vogelstimmen und hört man Glockentöne, ehe nach und nach die Melodie ["Geh aus, mein Herz, und suche Freud"] eingeführt und durch alle Lagen geschickt wird.
Man merkt anhand der vorbereiteten Registrierung, dass Johannsen zumindest den formalen Ablauf vorherbestimmt haben muss. Der Kunst und dem Vergnügen tut das aber keinen Abbruch, denn der Organist breitet orientalische Klänge, fröhliche Drehorgel-Atmosphäre, Tango- und andere Tanzrhythmen aus, lässt das Thema aber auch mal melancholisch und fragil erscheinen, nur um es am Ende im Stil einer Vierne-Toccata aufzublähen. Keine Frage, das ist brillant, und unterhaltsam ist es auch... (...).

Spannend war (...) seine Auseinandersetzung mit Maurice Duruflés Suite op. 5. Fein dosiert Johannsen den ruhigen "Sicilienne"-Mittelsatz mit seinem tänzerischen Rhythmus und bietet in der technisch extrem schwierigen "Toccata" am Ende stupende Virtuosität und eine ausgeklügelte Registrierung. Zu Recht wurde der Stiftskantor vom begeisterten Publikum bejubelt."

 

Fellbacher Zeitung (Michael Steck) | Orgelkonzert in Fellbach (Juli 2015)

"Ein Tirilieren und Jubilieren war das am Sonntagabend bei der Eröffnung der Fellbacher Orgelmusik-Reihe. Dem großen Bach und seinen italienischen Vorbildern huldigte Kay Johannsen und wurde für seinen virtuosen Auftritt gefeiert. (...) Transparent und durchhörbar registrierte er die Werke, kein Fugenthema musste dem aufmerksamen Hörer entgehen, keine Melodie verschwand im Wust gebrochener Akkorde. Federleicht musizierte er - und selbst in den rasantesten Passagen noch mit ganz ruhigem musikalischen Puls. (...)
Für seine abschließende Improvisation wechselte Kay Johannsen die Klangfarben. Für eine als Vogelstimmen-Marsch gestartete Choralvariations-Reihe über "Geh aus, mein Herz" schien er nun das Material eher von Ravel oder Messiaen zu stibitzen, in seinen Variationen über B-A-C-H ging die Reise dann auch noch Richtung Jazz oder Filmmusik. Rasant und virtuos auch all das, ein kurzes "Nun danket alle Gott" als Signatur darunter - dann war Schluss. Großer Applaus."

 

STZ (Georg Linsenmann) | Berliner Barocksolisten & Kay Johannsen (Orgelsolo bei drei Händel-Orgelkonzerten) im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle (Dezember 14)

(...) "Verwandt, im Klanggestus aber ins Große greifend, die interludierenden Orgelkonzerte von Händel. Berückende Zwiegespräche, ausgreifende Soli - und dank der benutzten Soloregister faszinierende Klangschmelzen in den Tutti. Grandios Kay Johannsen an der Konzertorgel. In der Zugabe nimmt er das Kuckucksmotiv - und schickt Händel in die sinfonische Klangpracht französischer Romantik. So könnte Händel einst improvisiert haben. Ein genialischer Rausschmeißer, vom Publikum dann auch als solcher akzeptiert: mit einem kollektiven Jubeljauchzer."

 

STN (Thomas Bopp) | Jubiläumskonzert 10 Jahre Mühleisen-Orgel in der Stiftskirche Stuttgart (August 14)

(...) "Johannsen zielt in seinem Konzert nicht wie Poulenc in seinem Orgelkonzert auf ein klanglich wirkmächtiges Nebeneinander, sondern verdichtet etwa im Einleitungssatz die Musik zu einer gründlich durchgearbeiteten Struktur voller motivisch-thematischer Beziehungen. In seinem Werk sind Orgel und Orchester völlig gleichberechtigte, eng miteinander verflochtene Partner. Dezent wird das Schlagwerk eingesetzt, das im Finale prägnant zum rhythmisch-prononcierten Drive beiträgt. Im klanglich gehaltenen Mittelsatz beteiligt Johannsen einzelne Streicher mit Soli, hier übernimmt die Orgel eher eine begleitende Funktion, und sie erhält einige farbliche Akzentuierungen durch das klangeffektiv eingebundene Schlagwerk.

Neben dem weiteren Nachweis seiner Improvisationskunst glänzte Johannsen auch mit der Wiedergabe eines Bachschen Werks: Seine überaus temperamentvolle, rhetorisch durchpulste Herangehensweise an Toccata, Adagio und Fuge C-Dur kehrte den jugendlichen Elan des Komponisten heraus."

 

STZ (Frank Armbruster) | Jubiläumskonzert 10 Jahre Mühleisen-Orgel in der Stiftskirche Stuttgart (August 14)

(...) "Dass der Stiftskantor Kay Johannsen ein begnadeter Improvisator ist, weiß man. An diesem Abend bewies er es durch eine freie Improvisation über ein Choralthema, dem er die wundersamsten Verwandlungen angedeihen ließ, dabei stellte er das enorme Klangpotential der Orgel ohrenfällig unter Beweis. Doch Johannsen ist auch ein begabter Komponist. Sein Konzert für Orgel, Streicher, Pauken und Schlagzeug, das an diesem Abend uraufgeführt wurde, nutzt effektvoll die Möglichkeiten dieser instrumentalen Kombination. Total eher konventionell angelegt, zeigt es kompositorische Finesse in seiner satztechnischen Anlage und der Instrumentation, die mit immer neuen Klangkombinationen überrascht. Ein Stück, das klingt und gefällt - auch dem Publikum in der vollbesetzten Kirche, das am Ende begeistert applaudiert.

Heilbronner Stimme (Lothar Heinle) | Orgelkonzert im Deutschordensmünster Heilbronn (Juli 2014)

(...) "Widors zehnte "Symphonie Romane" ist von den reichen Melismen des gregorianischen "Haec dies" geprägt, fast wellenartig-improvisatorisch gleitet der raffinierte erste Satz "Moderato" dahin. Kay Johannsen schafft den Balanceakt zwischen frei fließender Deklamation und agogisch-pointiertem Spiel im teils verwirrenden thematischen Geflecht. (...) Gegenüber den Schlusssätzen der Vorgängerwerke gestaltet sich das "Final" hier weitaus weniger reißerisch, trotzdem sorgt Kay Johannsen mit flexiblem Einsatz der dynamischen Mittel für pulsierende Spannung und Entspannung. Lebhafte Toccaten-Muster vermischen sich unverkrampft mit meditativer Flächigkeit.
Ein dumpf absteigendes Pedalmotiv für tiefste Reue, eine heftige Klangpackung im Vorzeichenwald für höchste Verzweiflung − Max Reger stellt gleich zu Beginn seiner Choralfantasie unmissverständlich klar, worum es geht. In sorgfältiger Registrierung leuchtet Kay Johannsen den stets deutlich hervortretenden Choral "Straf mich nicht in deinem Zorn" aus, turbulent zur Hölle fahrende Terzketten werden im temporeichen Schwung ebenso präzise umgesetzt, wie vielfältige punktierte Kolorierungen der Melodie.
Eine sommerlich-launige Improvisation über "Geh" aus mein Herz" samt Vogelgezwitscher, marschierender Wanderlust und WM-Fandorf-Anmutungen beendet das ausgezeichnete Meisterkonzert."

 

STN (Thomas Bopp) | Jubiläumskonzert 20 Jahre Stiftskantor in der Stiftskirche (Februar 14)

(...) "Bachs g-Moll-Fantasie hielt Johannsen in feiner, organischer Bewegung. Seine lebendige Gestaltung wies selbst den kleinsten Phrasengliedern (...) noch Richtung und Ziel. (...) Die Popularität von Widors fünfter Orgelsymphonie gründet auf ihrer finalen Toccata, deren peitschende Unerbittlichkeit Johannsen mit überragender Akkuratesse offenlegte. Dem Ausdrucksgehalt der übrigen Sätze spürte er mit einer hoch ästhetischen Vielfalt von Registerfarben nach." (...)

 

nmz (Juan Martin Koch) | Orgelkonzert in St. Gumbertus bei der Bachwoche Ansbach (August 2013)

"Das [Publikum] (...) weiß nicht nur Johannsens gediegenes, im Fall der c-Moll-Passacaglia mitreißendes Bach-Spiel zu würdigen, sondern auch dessen improvisatorische Fähigkeiten. Harmonisch eher unspektakulär, färbt er seine Reflexionen über "Befiehl du deine Wege" mit köstlichen Registermischungen. Besonders das zwischenzeitlich an Stummfilmbegleitungen gemahnende Gegrummel hätte man der Wiegleb-Orgel von 1738 nicht unbedingt zugetraut. Mit schwebenden Flötentönen weist der Stuttgarter Stiftskantor andererseits auf seine die Konzertstruktur transparent machende Registrierung der Vivaldi-Bearbeitung BWV 593 zurück."

Kreiszeitung (hey) | Orgelkonzert in der Stadtkirche Rotenburg an der Wümme (Mai 13)

"Außergewöhnlich wurde das Konzert (...) durch die abschließenden Improvisationen Johannsens: (...) Ein unerwartetes Feuerwerk aus kleinen, in sich abgeschlossenen Stücken, jedoch durch ähnlichen strukturellen Aufbau der in Form gegossenen Sequenzen, die einigen Zuschauern buchstäblich den Mund offen stehen lassen und so etwas wie Glück auf die Gesichter zeichnen. Das hält auch bei der Zugabe vor, in der Johannsen fast schon schelmisch das Kirchenlied "Nun danket alle Gott" aufgreift - in der Tat, das möchte man, für einen so gelungenen Ausklang und einen begnadeten Musiker, wenn er seine Fähigkeiten auslebt."

Leonberger Kreiszeitung (Alexander Walther) | Orgelkonzert in katholischen St. Johanneskirche (Oktober 12)

"Abwechslungsreicher und spannender kann ein Konzert kaum sein. (...) Intervallspannungen, subtile kontrapunktische Satzkünste und spannungsvolle harmonische Vielschichtigkeit kennzeichneten die Wiedergabe von Bachs Sonate G-Dur. Fantastische Visionen und klares Zeitmaß wuchsen ganz zusammen. (...) Kay Johannsen besitzt ein ausgezeichnetes Gespür für die Seelentiefe in Mendelssohns Musik. (...) Fesselnd waren seine freien Improvisationen (...). Fast schon symphonische Ausmaße nahmen diese kunstvollen Improvisationen in der weiträumigen Kirche an." (...)

Schwäbische Zeitung | Orgelkonzert in der Tuttlinger Stadtkirche (September 12, Siegfried Burger)

(...) "Was Johannsen hier bot, war überwältigend: Die 6. Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor (1844-1937) und eigene Improvisationen. Nicht nur eine makellose Technik, sondern auch Spiel voll seelischen Gehalts erlebte man. (...) Zwischen die Teile der Symphonie setzte Johannsen eigene Improvisationen über 5 Kirchenlieder Martin Luthers. In dunkle Tiefe mit Tupfen darüber fügte er "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" ein, und gab Schreie und Klagen dazu. In lichter Höhe mit himmelshohen Tönen schilderte er die Melodie "Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort". Die Improvisation über "Nun freut euch, liebe Christen g?mein" war eine blitzend reine Freude. "Vater unser im  Himmelreich" gestaltete er ernst mit aufblühendem Getön über tiefen Basstönen und "Ein feste Burg ist unser Gott" war ein Freudentaumel mit feierlich großem Schluss. (...) Und wieder gab es eine Improvisation Kay Johannsens, diesmal über ein Thema von Maurice Duruflé. Licht blitzend, helle Freude, Spaß, später setzte der Bass Tupfen darunter, Splitter der Freude, dann breite Fülle des Lebens. All dies strömte feurig aus der Orgel und zum Schluss das Thema im Trompetenregister. Nach so viel erlebter Herrlichkeit gab es großen Applaus." (...)

Schwarwälder Bote | Orgelkonzert zur Wiedereinweihung des Instruments in der Stadtkirche Nagold (April 2012, Maria Kosowska-Németh)

(...) "Der profunde Bass, edel strahlender Sopran und majestätisches, erhabenes Tutti im Bachschen Präludium D-Dur führten als Vorgeschmack der weiteren Klangüberraschungen an die phänomenal interpretierte Fuge über, deren perlendes, höchst virtuos gestaltetes Thema eine kunstvolle kontrapunktische Einfassung bekam und sich in ein lebendiges, äußerst plastisches Bild einschloss. (...) "Ostern", ein Orgelstück von M. Reger, versetzte die Hörer in eine von unerwarteten Harmonieeffekten gefüllte Klangdimension; drei märchenhaft schön interpretierte Fragmente der impressionistischen Orgelsuite von L. Vierne, darunter das berühmte "Carillon de Westminster", veranschaulichte den ungeahnten Ausdrucksreichtum der neuen Orgel. Trotz des relativ langen Raum-Nachhalls ging nicht die geringste von den sorgsam ausgefeilten interpretatorischen Details verloren, im Gegenteil - die wunderbare Musik fand ihren Weg in die abgelegensten Winkel des Kirchenraumes. Nicht nur als Interpret glänzte Kay Johannsen an diesem Abend; gleichsam einfallsreich improvisierte er an der Orgel, suchte mit Genuss nach den ungewöhnlichen Klangkombinationen und malte Musikbilder, die mitunter unter die Haut gingen. Die Grand Dame genoss ihre Wiedergeburt."

Schwarzwälder Bote | Orgelkonzert in der Stadtkirche Balingen (Januar 2012, Friedrich Dold)

(...) "Bachs Präludium und Fuge D-Dur leitete den Abend ein und zeigte fast programmatisch, was Johannsens Spiel auszeichnet. Da gab es kein Pathos, keine Erdenschwere, aber auch keinen aufgesetzten Glanz. Sparsam, aber farbig registriert, schlank, durchsichtig und tänzerisch bewegt kam dieser Bach daher und öffnete das Tor für die Komponisten der französischen Orgelromantik, die Johannsen anschließend in den Mittelpunkt stellte.
Da gab es zunächst ein apartes Prélude von Louis Vierne, dann eine virtuose Toccata von Eugène Gigout und schließlich einen längeren Auszug aus Charles-Marie Widors "Symphonie gothique" über den Choral "Puer natus" aus der Weihnachtsliturgie. Das Andante klang wunderbar sphärisch und nachdenklich, das vielgestaltige Moderato führte über kontrapunktische Verdichtung zu einem ruhigen Ausklang. Dazwischen schob Johannsen drei eigene Improvisationen aus seiner neuen CD "Christmas" - mit Bedacht, denn hier zeigte sich, wo er stilistisch seine Wurzeln hat, aber auch, mit welcher Kreativität er seine Vorbilder fortschreibt oder überwindet. Klangmalerei spielt immer eine Rolle, aber nie aufdringlich. Besonders eindrucksvoll war "O come, all ye faithful": Aus einem dichten Klanggeflecht löst sich die Melodie schließlich jazzig rhythmisiert ? die Gläubigen tanzen zur Krippe, sie schleichen nicht.
Schon in seiner Balinger Zeit bewunderte man Johannsens Improvisationskunst. Dass er inzwischen einen wahren Quantensprung weiter ist, demonstrierte der Schlussteil des Orgelkonzerts: In freien Improvisationen über Themen zu Weihnachten und Neujahr entfaltete sich die ganze Spannweite seiner unerschöpflichen Klangfantasie und seines unangestrengten technischen Könnens, und der Stadtkirchenorgel entlockte er Klänge, die man nicht für möglich gehalten hätte. Das reichte vom lieblichen, verspielten Zauber in "Zu Bethlehem geboren" bis zu den wahrhaft himmlischen Klanggirlanden und den Freudensprüngen in "Wie schön leuchtet der Morgenstern". (...)

Berliner Notizen | Orgelkonzert im Französischen Dom Berlin (Dezember 2011, Horst Rödiger)

"Mit dem Stuttgarter Stiftskantor und Kirchenmusikdirektor Kay Johannsen war beim Orgelkonzert der Französischen Friedrichstadtkirche am ersten Donnerstag im Monat Dezember ein international renommierter Virtuose dieses Instruments zu Gast, dem unter anderem eine Kompletteinspielung  der Orgelwerke Johann Sebastian Bachs auf CD zu danken ist. Obwohl ihm in der Stuttgarter Stiftskirche eine größere Orgel zur Verfügung steht, gelang ihm die Übersetzung seines Programms auf die zweimanualige Eule-Orgel der Friedrichstadtkirche mühelos und überzeugend, wobei er den erstaunlichen Farbenreichtum dieses kompakten Instruments gut zu entfalten verstand. Eingangs setzte er mit Bachs Sonate C-Dur BWV 529 einen verhaltenen Auftakt: silberhell pointiert im ersten Allegro, dann nachdenklich im Largo, als perlendes Saltarello im Schlußsatz. Dann folgte die erste seiner drei Notationen von eigenen Improvisationen über weihnachtliche Liedmotive, die er auf einer eigenen CD "Christmas" zusammengefaßt hat. Hier erzielte er durch fein abgestufte Registerwechsel reizvolle Klangvarianten. Gleich drei hochberühmte französische Orgelkomponisten würdigte Johannsen anschließend. Von Louis Vierne war sein Prélude opus 51/1 zu hören, eine liedhafte Melodie über einer wie auf Wolken hinauf- und hinabgleitenden Schrittfolge. Dann die zweite der Improvisationen, diesmal  über ein irisches Weihnachtslied. Anschließend wurde mit dem zweiten Satz aus Charles-Marie Widors "Symphonie gothique" ein eher dunkler Klangteppich ausgebreitet, über dem hell aufstrahlende Lichter in Kreisen aufstiegen. Mit "Herbei, all ihr Gläubigen" variierte Johannsen darauf ein besonders geschätztes Weihnachtslied, wobei das vertraute Choralthema von leuchtenden Ranken umgeben war, was wundersam lebendige Klangspiele mit rhythmisch akzentuierenden Akkorden ergab. Eugène Gigouts Toccata präsentierte große Geläufigkeit über markantem Baß. Dann eine "freie Improvisation über adventliche Themen", Maria im Dornwald, begleitet von synkopischen Rhythmen, Goldglanz auf melodischem Untergrund, der in die Fanfarentöne einer eigenen Toccata mündet. Der Organist rauschte mutig durch einige Tonartwechsel und endete in strahlender Harmonie. Schließlich als Abschluß und Höhepunkt Bachs Toccata und Fuge BWV 540: Ein Beweis überragender Meisterschaft auf diesem Instrument. Bei  eher mäßigem Tempo ein  absolutes, schlackenloses Gleichmaß, aufgetürmte Herrlichkeit, auch in der Fuge stets durchsichtig. Viel Beifall für einen souveränen Solisten mit besonderem Klangsinn für Johann Sebastian Bach."

Rheinpfalz | Orgelkonzert in Hochdorf-Assenheim (Oktober 2011, Gereon Hoffmann)

"Kirchenmusikdirektor Kay Johannsen fühlte sich auf der Geib-Orgel in der protestantischen Kirche Assenheim recht wohl. Bei seiner großen Improvisation zum Schluss seines Konzertes zog der Stuttgarter im wörtlichen Sinn alle Register und stellte eine Vielzahl von Klangfarben des Instrumentes mit sprühenden Ideen vor.
(...) "Bachs Präludium und Fuge G-Dur (BWV 541) spielte Johannsen lebhaft und zupackend. (...) "Bachs Variationen über "O Gott, du frommer Gott" (BWV 767) spielte Johannsen sehr deutlich artikuliert. Jede Variation beleuchtete er mit neuen Registern ...(...) Die zwei Variationen für den Pedalflügel von Schumann spielte Johannsen sehr ausdrucksstark. (...) Johannsen registrierte die Studie Nr. 2 schön weich und spielte, wie vom Komponisten gefordert, "mit innigem Ausdruck", doch mit genügend Spannung. In der Studie Nr. 5 übertrug er die rhythmischen, klaviertypischen Anschläge auf die Orgel, die damit deutlich den Geist des anderen Instruments widerspiegelte.
Bei Mendelssohn Bartholdy Sonates in B-Dur op. 65, 4 griff der Organist gerne in den Farbenkasten der Romantik. Das Allegreo con brio kam durch die Zungenpfeifen mit ordentlich Schmackes. Das Allgretto klang doppelbödig: Zum einen wirkte es zurückgenommen, die gesangliche Melodie nahm die Zuhörer mit auf die Reise, doch im Hintergrund lief zum anderen eine Begleitung, die ständig plapperte und sich nicht beruhigen konnte. Zusammen schafft das eine ständg steigende Spannung, die sich dann im letzten Satz, dem mächtigen Allegro maestoso entlädt. Das wusste Johannsen auszuspielen.
Die Improvisation zum Schluss war noch einmal ein besonderer Leckerbissen für Orgelfreunde. Johannsen wählte "Nun danekt alle Gott" als Thema. Es folgte ein Feuerwerk an Variationen. Nicht nur harmonisch entfaltete der Organist einen enormen Einfallsreichtum. Dabei experimentierte er auch mit einem Drei-Viertel-Takt oder transponierte das Dur-Thema nach Harmonisch Moll. Dabei entwickelte Johannsen eine stetige Steigerung, die in ein beeindruckendes großes Finale mündete."

 

Badische Zeitung | Orgelkonzert im Freiburger Münster (August 2011, Johannes Adam)

(...) "Kann man Musik wie einen Teig kneten? Dass dies - und zwar, um im Bild zu bleiben, mit äußerst schmackhaftem Resultat - gut möglich ist, bewies Kay Johannsen jetzt bei seinem packenden Orgelabend im stark frequentierten Freiburger Münster. Wie er da den Kopfsatz aus Charles-Marie Widors "Symphonie Romane", diesem für die romanische Basilika Saint-Sernin in Toulouse und deren meisterliche Cavaillé-Coll-Orgel entstandenen Werk, mit sehr viel Expressivität auflud: Das berührte. César Francks Diktum von der Orgel als ein Orchester kam einem alsbald in den Sinn. Das "Moderato" mit seinen anfänglichen Höhenspielen wurde nun zu einem beeindruckenden Klangstrom." (...)

"Gelungen war auch Johannsens Deutung von Viernes "Glocken von Hinckley", das den vierteiligen Zyklus der späten 24 Fantasiestücke dieses zweiten großen Pariser Orgelsinfonikers abschließt. Dieses skurrile Dokument, mit dem Vierne - nicht ganz ohne Rachegelüste - jenem Glockenspiel ein orgelmusikalisches Denkmal setzte, das ihm, da jede Viertelstunde ertönend, in der im Titel genannten englischen Stadt den Nachtschlaf geraubt hatte. Die dabei immer wieder fallende E-Dur-Tonleiter brennt sich dem Hörer ins Hirn. Am Ende steht mit Verlaub der Wahnsinn." (...)

"Eine veritable Überraschung war der - gleichwohl bereits auf CD dokumentierte - Improvisator Johannsen. Sehr spielerisch und frankophil klang das. Mal fühlte man sich wie bei einem späten Vierne-Scherzo, mal wie beim Einstieg in Maurice Duruflés Toccata aus der Suite op. 5. Eine farbige, elegante, virtuose und den Hörer immer sofort interessierende Stegreif-Präsentation zwischen Flüstern und Emphase. Fugato inklusive. Kay Johannsen - er kann?s."

Schwarzwälder Bote | Orgelkonzert in Schramberg (Dezember 2009)

(...)  "Höchst interessant war die 'freie Improvisation' des Künstlers, bei der zunächst ein tänzerisches Thema in fröhlicher Rhythmik erklang, das auch durch andere Register wanderte. Über einem Orgelpunkt erschien 'Es ist ein Ros entsprungen", erst umspielt mit filigranem Zierat. Heller Silberklang mischte sich mit dem Klingen des Zimbelsterns zu imposanter Größe. Pastorale Klänge wie aus Drehleier und Dudelsack, Zungenregister und Fagott im Bass begleiteten die Melodie von 'Herbei, o ihr Gläub'gen', während aus wasserweichen Tiefen und quirligen Strudeln das Thema 'Alle Jahre wieder' in Majestät und Pracht aufstieg, bis der Kirchenraum erbebte." (...)

Freies Wort | Orgelkonzert in Suhl (Juli 2009)

(...) "Zum Auftakt für das Konzert ließ Johannsen Georg Muffats (1653 - 1704) Toccata octava erklingen, die wie gemacht scheint, die Klangfülle der Orgel zu demonstrieren. Ebenso wie beispielsweise die Partita "O Gott du frommer Gott" aus der Feder des Orgel- und Klaviervirtuosen des Barock, Johann Sebastian Bach (1885 - 1750). Den musikalischen Bogen spannte er bis hin zu Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847) - quasi ein Muss im Jahr 2009, in dem der Komponist der Romantik 200 Jahre alt geworden wäre. Mit der Sonata IV B-Dur setzte Johannsen einen furiosen Schlusspunkt nach meisterlicher Organisten-Art.

Für Kay Johannsen lag auch bei diesen Werken die Spannung in der Verbindung der Töne, die passend zur Akustik im Kirchenschiff, in dem die Emporen und hölzernen Brüstungen den Tönen mitunter überraschende Wege vorgeben, zu gestalten sind. Freilich hat er die Stücke lange einstudiert und oft gespielt, "aber sie so von Zuhause mitzunehmen, wie sie dort klingen, das geht nicht, wenn man an der Orgel spielt". Organisten können ihr Instrument nicht von Konzert zu Konzert mitnehmen, sondern müssen sich einlassen auf immer neue Majestäten und ihre Eigenheiten. Das macht die Spannung für die Künstler wie für das Publikum aus. So war Neugier auf die freien Improvisationen von Kay Johannsen durchaus angebracht.

Hier bemühte er Choräle nur sparsam, setzte die Stimmungen der Orgel vielfarbig in Szene, ließ ihre zarte, leichte Seite ebenso hören wie die gewaltige. Eine halbe Stunde Zeit für die Vorbereitung auf diese Improvisationen nimmt er sich. "Wenn der Einstieg da ist, dann läuft auch alles andere." So ist es auch eine Sache des Moments, welche Musik ihm wie aus den Fingern läuft. Und das macht dieses Zwischenspiel, bei dem er auch das Glocken-Register der Eilert-Köhler-Orgel einbaute, ganz besonders. Improvisationen haben auch in der Liturgie einen hohen Stellenwert. "

Nürtinger Zeitung | Orgelkonzert in der Stadtkirche (Oktober 08)

zu Elgar, Sonate G-Dur: "Kay Johannsen modellierte an der Orgel eine romantische, facettenreiche Klangraumplastik, indem er das breite Spektrum der Disposition der Goll-Orgel einfühlsam interpretierend einsetzte und die verschiedenen Charaktere der Sätze in einer farbigen Registrierung herausarbeitete, bis im hellen strahlenden G-Dur die Sonate im hohen Raum der Stadtkirche in der atemlosen Stille der Zuhörer verklang".
"In der "Freien Improvisation" klangen mit "Hirte deiner Schafe", Geh aus, mein Herz" und "Erd und Himmel sollen singen" drei Kirchenlieder an, die der Orgelkünstler zu neuen Klanggestalten verdichtete, ineinander verschmolz und in einem großen Spannungsbogen zusammenschloss. Dabei hatten die einzelnen Teile durchaus ihren eigenen Stellenwert. Johannsen modellierte die Intention der jeweiligen Lieder in ihrem Charakter unnachahmlich heraus. Fröhlichkeit und Leichtigkeit, Zuversicht und Sicherheit gab er musikalischen Ausdruck und rhythmische Bewegungsgestalt. Diese freie Improvisation gehörte ihrer Verwandlungs- und Anverwandlungskünste, ihrem spannungsreichen Aufbau und ihrer Authentizität wegen zu den Höhepunkten des Konzerts. Auch zeigte sich hier das meisterhafte technische Können des Orgelkünstlers, für den technische Fertigkeit nie im Vordergrund stand, sondern im Dienst einer überzeugenden Interpretation gleichsam selbstverständliche Basis ist."

Fellbacher Zeitung | Orgelkonzert in der Christus-König-Kirche (September 08)

"Die Krönung des Abends war dann die freie Improvisation des renommierten Organisten aus Stuttgart, der über den Choral "Allein Gott in der Höh' sei Ehr" ein Lehrstück an Improvisationsgabe, Einfallsreichtum und Kenntnis der Klangmöglichkeiten der Orgel ablieferte."


Heidenheimer Zeitung | Orgelkonzert in der Stadtkirche Giengen (Juni 08)

""Schmückt das Fest mit Maien!": Mit einer ganz wörtlich "inspirierenden" Improvisation über dieses Pfingstlied präsentierte sich Kay Johannsen ? in der Stadtkirche Giengen als der erwartet außergewöhnliche Orgelkünstler. Dank der Projektion des Spieltisches auf Großleinwand konnten die Zuhörer im Kirchenschiff den Interpreten auch optisch erleben: seine überaus sensible Spieltechnik ebenso wie seine suggestive Körpersprache.
Schwerpunkt des Orgelkonzertes waren die Pièces de Fantaisie, die Louis Vierne vor 80 Jahren für Notre Dame in Paris komponiert hatte. (?) Unter den Händen und Füßen von Johannsen gerieten diese Orgelstücke zu poesievollen Klanggemälden. Mit sicherem stilistischen Gespür lotete er die Registriermöglichkeiten aus ? vom zartesten ferntönigen "Streicherklang" bis zum brausenden Plenum. Johannsen war darauf bedacht, die dynamische Bandbreite "organisch" zu entfalten, eine Intention, die dem spätromantischen Duktus der Fantasiestücke voll entsprach. (?) Kapriziöse Leichtigkeit (bewundernswert hier Johannsens pianistisch Eleganz) zeichnete das Intermezzo aus. (?) Den herzlichen Beifall quittierte Kay Johannsen mit einer weiteren Improvisation, bei der sich nach anfänglich lauschigem Herantasten alsbald ein Klangfest entwickelte."


Stuttgarter Nachrichten | Gesamtaufführung der Pièces de Fantaisie von Vierne in der Stiftskirche (April 08)

"Den eher dumpf anmutenden Klagetönen der mit "Requiem aeternam" bezeichneten Komposition, die Louis Vierne im Gedenken an seinen verstorbenen Bruder verfasst hat, schließt sich mit großflächigen Akkordblöcken ein triumphal ausklingender Hochzeitsmarsch an. Stiftsorganist Kay Johannsen stellt in der Stiftskirche solche Kontraste ? in souveräner Manier dar. (?) Deutlich wird die Verbindung zum französischen Impressionismus, die Johannsen auf der Stiftskirchenorgel deutlich hörbar erscheinen lässt. Dennoch verzichtet er auf plakative Effekte, stellt vielmehr eine innere Verbindung unter den einzelnen Episoden her."


Rheinische Post | Orgelkonzert in Düsseldorf, St. Margaretha (Oktober 2008)

"Kay Johannsen, dem ein Ruf eines wahrhaft begnadeten Bach-Interpreten vorauseilt, spielte zu Beginn des Programms das Bach-Präludium (in C-Dur BWV 547) atmend, die Bach-Fuge plastisch und die Bach-Choralbearbeitungen farblich abwechslungsreich. Seine gleichermaßen ökonomische wie souveräne Technik lieferte dazu den sicheren Untergrund. Wunderbares Legatospiel zeigte Johannsen bei Mendelssohns d-Moll-Sonate. Charakteristisch kamen die vielen Choralvariationen von schlichter Harmonisierung bis hin zu quasi fliehenden Akkordbrechungen. (?) Mit Max Reger krönte der Organist das Konzert mit einer herbstlich-diesigen Introduktion (in f-Moll), gefolgt von einer wie aus dem Nebel aufsteigenden Passacaglia, die sich zu großer Pracht aufschwang."


Esslinger Zeitung | Bach-Zyklus (August 2007)

"Johannsens gestalterische Diktion zeigte sich durchgängig auf eine größtmögliche Transparenz des Notentextes hin ausgerichtet. Da halfen ihm zum einen die diffizilen klanglichen Registermischungen der sich einmal mehr als vorzügliches Instrument erweisenden Mühleisenorgel; Johannsens Klangsuche blieb dabei wohltuend unspektakulär, niemals erlag er der Versuchung, in Abweichung vom barocken Klangbild mit vielleicht noch aparteren, aber unhistorischen klanglichen Möglichkeiten zu experimentieren. Voller Farbenreichtum fächerte Johannsen die geringstimmigen Sätze auf, den Plenoklang baute er auf einem mächtigen Pedalbass auf ?" "Die Durchsichtigkeit des Stimmensatzes, die Johannsen erreichte, gründete zum Anderen auf der ungemein feinsinnig verfahrenden Konturierung, mit der der Stiftsorganist den einzelnen Stimmen wie ihrer klanglichen Fortschreibung artikulatorisch und agogisch Profil und pulsierende Lebendigkeit verlieh. Das führte nicht wenige Male zu einer Unmittelbarkeit und Sprachmächtigkeit, die fast wie aus einer anderen, einer höheren Welt herrührend anmuteten. So wusste Johannsen etwa seiner Darstellung der Dorischen Toccata (d-Moll BWV 538) eine unerhörte Weitsicht ihres eingangs ausgeformten rhythmischen Modells zu implementieren: ein richtungsweisendes musikalisches Muster, das selbst da virtuell auszumachen war, wo es gar nicht explizit erklang.
Voll agiler Inspiriertheit vermochte Johannsen auch den sperrigen figürlichen Wendungen solch kompositionstechnisch komplexer Werke wie der ?Canonischen Veränderungen über ?Vom Himmel Hoch?? BWV 769 oder der Choralbearbeitungen aus Bachs drittem Teil seiner ?Clavierübung? (BWV 669-689) leuchtkräftige Prägnanz zu verleihen, wobei er mit seinem spielerisch gelösten Interpretationsansatz deren Strenge auflockern konnte, ohne ihnen jedoch etwas von der hintergründig vergeistigten Unnahbarkeit zu nehmen."


Stuttgarter Nachrichten | XIV. Konzert des Bach-Zyklus' (Juli 07)

"Das vorletzte Konzert in Kay Johannsens Gesamtaufführung des Orgelschaffens von Johann Sebastian Bach in der Stiftskirche widmet sich dem "visionären Spätwerk" (Thema des Abends) des Thomaskantors. Besonders deutlich äußert sich das bei der unmittelbar berührenden Begegnung mit Fantasie und Fuge in c BWV 562 (?)." "Vergleichbar mit der Interpretation des Eröffnungsstücks (Präludium und Fuge e-Moll BWV 548) teilt sich, ebenso geschlossen, schließlich das reiche Arabeskenwerk im h-Moll-Präludium BWV 544 und in der sich anschließenden Fuge dem Auditorium mit." "Farbig, hell und fein differenziert: die canonischen Veränderungen über "Vom Himmel hoch, da komm ich her". An Bachs Begegnung mit Friedrich dem Großen erinnert im Übrigen die gradlinige, stets überschaubare Darstellung des sechsstimmigen Ricercare aus dem "Musikalischen Opfer"."


Stuttgarter Zeitung | Eröffnungskonzert des Bach-Zyklus' (März 07)

"Die Musikwissenschaft schreibt dem Praeludium und Fuge in d BWV 549 a oder dem Praeludium BWV 569, einer "Übung im Gebrauch aller Tonarten", einen Studiencharakter zu. Formal hat sie Recht, dennoch handelt es sich in beiden Fällen um Musik von ausgesprochener Sinnlichkeit, zumindest, wenn sie so raffiniert registriert wird wie von Johannsen. Die Klangsinnlichkeit, von der so oft die Rede ist bei Bachexegeten, die aber bei vielen hinter der Mühe verschwindet, komplizierte Stimmverläufe abzubilden ? sie wurde von Johannsen selbst in den vordergründig spröden Neumeister-Chorälen erlebbar, denn er lauscht den scheinbar kühl wirkenden Konstruktionen ihre sprachbildliche Qualität ab. Das ist die Kunst, von der Bach träumte."


Esslinger Zeitung | Eröffnungskonzert des Bach-Zyklus' (März 07)

"Was die gestalterische Seite angeht, beeindruckte Johannsen - auf der Hauptorgel wie am Positiv - mit einer enormen Plastizität und Transparenz der Textur, die er zum einen aus einer Staunen erregenden manuellen Präzision und darüber hinaus aus einer artikulatorisch feinsinnigen Konturierung der Themen, einer feingliedrigen Profilierung der Figurationen und der Motivik schöpfte. Seine sensible Agogik erweckte die nicht choralgebundenen Stücke zu einem spannungsreichen, lebendigen Organismus. Die am Text orientierten Choralbearbeitungen wiederum ließen den Zuhörer mithilfe von Johannsens feinfühlig ausziselierten Ausdrucksmustern tief eintauchen in den Gehalt und die Aussage des jeweiligen Kirchenlieds."


Magdeburger Volksstimme | Orgelkonzert im Magdeburger Dom (Juli 06)

"Vergangene Woche erwartete der Organist Kay Johannsen aus Stuttgart die Dombesucher mit seiner außerordentlichen Kunst." Zu Bach E-Dur: "Der Organist meisterte es glänzend und gestaltete das fünfteilige Werk sehr transparent. Flüssig perlend erklangen die Läufe, genau phrasiert und mit außerordentlicher Präzision die wunderbare zweite Fuge..." Zu Bachs Sonate e-Moll: "Johannsen hat sie meisterlich gespielt und die Möglichkeiten der Orgel im Dom ideal ausgenutzt?" Zu Alain/Litanies: ".. auch hier ließ der Künstler keine Wünsche offen, spielte mit technischer Perfektion und mitreißender Ausdruckskraft". Zu Improvisation und Duruflé: "Das schönste Werk dieses Konzertes ?waren die freien Improvisationen des Organisten. Die Domorgel hat ihn zu einem impressionistischen Feenmärchen im französischen Stil inspiriert, in dem man glitzernde Wassertropfen hörte und schwirrende Insekten, in dem man Flussgeister sah und Feen im Zauberwald. Ein fröhliches, verzauberndes und träumerisches Stück, nach dem das abschließende Prélude et Fugue sur le nom d'Alain op.7 von Maurice Duruflé noch einen mächtigen und eindrucksvollen Schlusspunkt setzte."


Schwäbisches Tagblatt | Orgelkonzert in Rottenburg (Juni 05)

"Es war wieder einmal eine Sternstunde in den Rottenburger Orgelkonzerten, die mit der Auswahl bedeutender Interpreten schon immer besondere Beachtung verdiente. Kay Johannsen ... übertraf mit seinem Vortrag an der Albiez-Orgel von St. Moriz alle Erwartungen."


Schwarzwälder Bote | Orgelkonzert (Bach, Improvisation) an der rekonstruierten Silbermann-Orgel in Villingen (Mai 05)

"Es war ohne Zweifel das bedeutendste Orgelkonzert seit der Weihe der Silbermann-Orgel in der Benediktinerkirche." "So erklang das Concerto für Violine und Orchester von Vivaldi C-Dur, von Bach für Orgel arrangiert, und seine Toccata, Adagio und Fuge C-Dur in hoch virtuoser Faktur, technisch überlegen, kraftvoll, spannend und begeisternd. Dazu treten die Strukturen der Werke ? die hochkonzertante Anlage, die anrührenden Passagen des Adagios der Toccata und die fulminanten Schlusssätze beider Werke ? klar in den Vordergrund. Bachs heikle Es-Dur Sonate erlebte eine wunderbar kammermusikalische Wiedergabe in passender Registrierung und hervorragend getroffenen Tempi.? ? Eine eigene Improvisation in ein Bach-Programm einzubauen, dazu gehört viel Mut und Können. Kay Johannsen hat beides!"


Stuttgarter Zeitung | Brandenburgisches Konzert V in Stuttgart/Beethovensaal (Februar 05)

"Später im fünften Brandenburgischen Konzert zeigten die Musiker Bach als den Komponisten, der als erster den Begriff der Virtuosität im modernen Sinn prägte. Kay Johannsen vor allem balancierte in der unglaublich schwierigen Cembalokadenz technische Brillanz und geistige Tiefe perfekt aus. Im Dialog wiederum mit Isabelle Faust und Jean-Claude Gérard spiele Johannsen alles aus, was Bach diesem Konzert an französischer und italienischer Eleganz eingeschrieben hat."


Westdeutsche Allgemeine Zeitung | Goldbergvariationen in Bochum (November 2004)

" ...eine sensationelle Darbietung". "Johannsen demonstrierte diese technischen Finessen mit nachhaltigem Eindruck, flüssig, brillant und dennoch nicht hektisch. Und auch die ruhigen, in sich gekehrten Stücke wie Variation 25 oder die Aria gerieten unter seinen Händen zu einzigartigen Kostbarkeiten. Das war wirklich großartig!"


Schwäbische Zeitung | Orgelkonzert in Weingarten (Juli 2004)

"In großer klanglicher Weite und Fülle erklang die Gabler-Orgel in Händen des Stuttgarter Stiftsorganisten Kay Johannsen. Hochinteressante, selten da gewesene Effekte und hohe Musikalität machten das ohnehin interessante Programm zum Erlebnis". "Bachs berühmte d-Moll-Toccata loderte in feurig-brillanter, mitreißender Interpretation, dargestellt in selten realisierter Gravität und Macht ..." "Eben diese Überzeugungskraft der Gablerin kam in einer impressionistischen, regelrecht in den Raum hineinkriechenden, Harfenklänge assoziierenden Improvisation ... zum Vorschein; man glaubte sich in einer Pariser Kirche." "Und des Programmes Krönung: Triosonate in C-Dur von Bach. Eine von sechsen, gehört sie zum Anspruchsvollsten, was es für die Orgel überhaupt gibt ? und das auch noch auf einer historischen Orgel, deren Spieltischabmessungen alles andere als spielerfreundlich sind."


Heilbronner Stimme | Goldbergvariationen in Brackenheim (Juli 2004)

"Nur wenigen Pianisten wie Cembalisten gelang es, dem Werk in virtuoser wie geistiger Hinsicht gerecht zu werden. Seit dem Hörerlebnis in Brackenheim muss man Kay Johannsen ohne Einschränkung dazuzählen. Als Kritiker hat man Utopien einer Interpretation. Meist werden sie nicht annähernd erreicht, nur ganz selten ergibt sich der Glücksfall, dass man am Ende eines Werkes keine Wünsche mehr offen hat. Bachs Goldbergvariationen in der Interpretation von Kay Johannsen wartete mit nicht zu Übertreffendem auf, das nur ansatzweise in Worte zu fassen ist."


Schwarzwälder Bote | Goldbergvariationen in Rottweil (Juni 04)

"... Kay Johannsen verdankt das Publikum einen dieser seltenen Abende, an dem Begeisterung und Stille, Genießen und Bewundern und die Dimension der Zeitlosigkeit eine Einheit eingehen.? ?... streng, gelassen und mit einer faszinierenden Fähigkeit, die klangfarbigen Möglichkeiten seines Instruments auszukosten."

 

Stuttgarter Nachrichten | Kunst der Fuge / Cembalo (Februar 04)

"Johannsen setzte in seiner Darstellung der einzelnen Contrapuncti auf ein hoch ästhetisches, ja geradezu klangsinnliches Moment. Er verstand die trockene Theorie jenseits ihrer strukturellen Dichte zu blühendem Leben zu erwecken.? ?Johannsens sensibel atmende Agogik und der sprechende Gestus der Führung der melodischen Phrasen und seine geschmackvolle Ornamentierung waren hierbei nur eine der möglichen interpretatorischen Komponenten. Ebenso formbildend erwiesen sich eine drängende, unbeirrt vorwärts treibende Zugkraft ..."


Stuttgarter Nachrichten | Einweihungskonzert des neuen Rückpositivs (September 03)

"Wenn dann aber, wie jetzt im Konzert, so gegensätzliche Stücke wie Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge D-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier oder die stimmungsvolle Elévation aus den ?Heures Mystiques? von Léon Boellmann derart brillant und im Detail filigran erklingen, dann spricht das sowohl für die nuancenreiche Disposition des Rückpositivs als auch für das versierte Können des Interpreten."


Fränkische Landeszeitung | Orgelkonzert bei der Bachwoche Ansbach (Juli 03)

"Bachs Pièce d?orgue atmet bei Kay Johannsen die Trias von lebensfroh leuchtendem Arabeskenwerk, heiterer Adagio-Majestät und inbrünstig religiöser Vehemenz. Die sich anschließenden drei Orgelchoräle aus dem dritten Teil der ?Clavierübung? leben mal von lichten Flöten-Kantilenen ("Allein Gott in der Höh? sei Ehr"), vom fahlfarbigen Pulsschlag höchster Introversion ("Vater unser im Himmelreich") oder von jener Kraft, die aus der Abwesenheit aller spektakulären Effekte kommt ("Christ, unser Herr, zum Jordan kam").
Toccata, Adagio und Fuge C-Dur ziehen ihre Energie dagegen aus Kontrasten: Hingehauchtes Laufwerk wird von massivem Pedaleinsatz abrupt gestoppt, strahlende Fugen schweben schwerelos über einem sämigen Bassfundament."


Main-Echo | Sonaten für Violine und Cembalo von J.S. Bach zusammen mit Christine Busch (Violine) in Aschaffenburg (Juni 03)

"Kay Johannsen ... verstand es, mit den "widerspenstigen Drähten" seines prächtigen Cembalos den lebenssprühenden Saiten der Violine genau der richtige Partner zu sein, wobei zu bemerken wäre, dass ein Funktionär der zuständigen Gewerkschaft spätestens zur Pause das Konzert wegen überhöhter Arbeitsleistung des Cembalisten abgebrochen hätte."


Stuttgarter Nachrichten | Cembalokonzert in der Schlosskirche, Bach: Goldbergvariationen (Februar 03)

"Gleich einem Kaleidoskop, wo ein Muster in immer wieder neuen Facetten aufscheint, ließ er die Variationen aufeinander folgen. Wo andere nur mit äußerlichen klavieristischen Reizen brillieren, vermochte er darüber hinaus auch Form und Struktur hörbar zu machen und analytisches Erkennen in eine fesselnde Klanglichkeit zu packen."


Stuttgarter Nachrichten | Orgelkonzert in der Schlosskirche mit Improvisationen und eigenen Werken (Januar 03)

"Auch die notierten "Encores" überzeugten im Hinblick auf ihren musikalischen Gehalt und ihre überschaubare Spur: der fanfarenartige Drive des ersten, die aparte Harmonik des zweiten sowie der Schalk des dritten ..." "Im freien, stilistisch an die französische Orgelmoderne gemahnenden Finale gebot Respekt, wie Johannsen einen musikalischen Gedanken aus dem Stegreif entwickelte, wie er kontrastreich aufeinander treffende Ausdrucksbereiche in ein organisches Gleichgewicht brachte."


Zollernalbkurier | Einweihungskonzert der Rensch-Orgel in Ebingen (Dezember 02)

"Präludium und Fuge D-Dur BWV 532 stellt Klangpracht und mitreißende Motorik in gleichem Maße bereit und es war eine helle Freude, wie Johannsen die über aufsteigende Skalen erreichten Klangblöcke gleichsam als Absprungrampe zu tänzerischer Bewegung nutzte." "Farbig, aber auch bizarr waren Prélude et danse fuguée von Gaston Litaize. Die Tanzfuge geriet umwerfend: sie begann als harmloses, wenn rhythmisch vertracktes Tänzchen und steigerte sich zu einer wilden Cluster-Orgie."
"Höhepunkt des Abends waren aber nicht die konzertanten Reißer, sondern Johannsens Rückbesinnung auf den protestantischen Choral. Frei improvisierte er über das Adventslied "O Heiland, reiß die Himmel auf". Hier gelang es ihm nicht nur, die Register der Orgel noch einmal in allen Farben aufleuchten zu lassen, sondern auch Philipp Spees großartigen Text auszudeuten. Wer Johannsen in seiner kurzen Zeit als Bezirkskantor in Balingen erlebt hat, weiß, dass er in dieser Disziplin ein unerreichter Meister ist."

 

 

 

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